Wieselburg als Ort

in der Poesiegalerie als Gedicht des Tages.
danke Poesiegalerie, danke Wieselburg!

Wieselburg als Ort
Den man sich erst erschaffen muss

Mit bloßen Blicken im Dunkel
Man glaubt das Weiße fremder Augen zu sehen
Mit bloßen Händen und Kompost
Mit zu kleinen Stücken gebrochener Sprache
Die man glatt streicht
Und sich dabei die Finger aufreißt
Ich sitze mit drei Musikern im Raum
Und wir wollen etwas anders machen
Das ist mein Ort

Orte schafft man in einem dunklen Raum
In dem jemand sagt
Licht aus
Augen zu
Sag was du siehst
Höre genau hin
was siehst du
sag es

Orte sind Bühnen
dunkle Räume
Bilder von etwas
das man dachte besessen zu haben

ich höre Musik
eine im Kopf nicht absehbare Abfolge von Tönen
ein tönender Körper einer Stadt
wohnt im Kopf
eine Leerstelle
die etwas freihält

eine Buchhandlung
mit Angst vor Geschichten
vor etwas Wertvollem
ein vorsichtiger Leser von Büchern voller Orte
die Angst Orte zerstören zu müssen
da man aus einem Ort stammt
der zerstört
sich seine Struktur sein Ich
weil er Stadt ist
die 100jährige Frau erzählt
wie das Licht gekommen ist
alle Kerzen wurden weggeräumt
hat die Dunkelheit nicht mehr gesehen 
nur was man wollte
hatte Hoffnung 
noch keine Zeitarbeiter
die Sklaven drehen an eigentümlichen Uhren
ziehen den Beton über Felder
ersticken asphaltierte Geschichten
wir sitzen in der Sonne
von der Eis tropft
genießen die vorbeifahrenden Autos
Untergang versteckt sich hinter Plakatwänden
die Viehhalle ist sehr still
kein Wind geht in Wieselburg
kein Glockenschlag
in der Prüfanstalt stehen alte Maschinen
sie sind gereinigt stehen still

im Oktogon stehe ich als Kind
im Pfarrhof stehe ich
wo Altes ist stehe ich
mein Befremden ist ein Staunen
dass es diese Stadt gibt
die Filme fließen unter mir durch
während ich Billiard spiele 
dort wo Prostituierte wohnen 
trinke ich Schweppes Bitter Lemon
ziehe an einer Zigarette
und bin ein altes Ich

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